Essen und Trinken
Wenn man in Amsterdam essen gehen will, gibt es eigentlich nur ein wirkliches Problem, und zwar das der Wahl. Der kulturelle Schmelztiegel Amsterdams reflektiert sich am deutlichsten in der Vielfältigkeit des Restaurantangebotes die dem hungrigen Besucher zur Auswahl bereitsteht. Das Spektrum reicht von einer typisch holländischen Mahlzeit bei Dorrius bis zur südafrikanischen Küche bei Indaba.
Selbstverständlich gibt es in Amsterdam Restaurants der Spitzenklasse, wie Blakes und Dynasty, wo man gegen entsprechende Bezahlung einen fantastischen Abend verbringen kann. Der Reiz der kulinarischen Möglichkeiten Amsterdams ist die Fülle an qualitativ guten und trotzdem preiswerten Restaurants, die man überall in der Stadt begegnet. Auf dem Zeedijk findet man zwei der besten Vorbilder dieser Kategorie. Nam Kee und New King, zwei chinesische Restaurants die unter Amsterdamern mit recht sehr beliebt sind, bieten schmackhaftes Essen in einer lockeren Atmosphäre. Die Einrichtung dieser Gaststätten ist nicht besonders, aber hier bekommt man eine wirklich leckere Mahlzeit zu einem fast unverschämt niedrigen Preis.
Amsterdams Zentrum quillt über von Restaurants die sich auf hungrige Touristen als Zielgruppe spezialisiert haben. Manche haben einen sehr günstigen Standort, wie das Iguazu aber man sollte sich nicht scheuen für eine richtig kulinarisches Erlebnis ein wenig weiter zu suchen. In der Pijp und der Jordaan gibt es mehr kleine Restaurants, Bars und Kneipen als man innerhalb eines Menschenlebens vernünftigerweise besuchen kann. Unter den vielen Studenten ist die Pijp ein bevorzugtes Ausgehviertel. Die Gaststätte De Duvel wird denn auch hauptsächlich von einem jungen und modischen Kundenkreis frequentiert. Das Beddingtons hat eine vergleichbar modische, aber etwas betuchtere Klientel.
Die Jordaan ist schon längst nicht mehr das geliebte ursprüngliche Arbeiterviertel, aber für ein gutes Essen ist man hier richtig. Restaurants wie das Toscanini und Bordewijk zeigen Amsterdam auf eine etwas andere Art. Hier findet man Ruhe und kann man weltliche Sorgen und der Trubel und Geschäftlichkeit des Zentrums vergessen.
Wenn man in der Nähe vom Leidseplein oder Rembrandtplein eine wirklich gute Mahlzeit sucht, könnte man D'antica mal mit einem Besuch beehren. Dieses italienische Restaurant zählt zweifellos zu den besten in Amsterdam und ist für Liebhaber der italienischen Küche sehr zu empfehlen. Auch das zentrumsnah gelegene D'Vijff Vlieghen ist eine wirklich empfehlenswerte Adresse, insbesondere wenn man die neue holländische Küche kennenlernen möchte.
Nachdem mit einer guten Mahlzeit eine Grundlage für den weiteren Abend geschaffen worden ist, kann man sich endlich den Kaffeehäusern und Kneipen, die in der amsterdamer Kultur eine so wichtige Rolle spielen, zuwenden. Als Anfang einer Tour bieten sich Leidseplein oder Rembrandtplein an. De Bourbonstreet und De Heeren van Aemstel sind nur zwei der vielen Höhepunkte an diesen zentral gelegenen Plätzen. Man kann hier eine jugendliche und begeisterte Kundschaft erwarten, die beim Genuss eines alkoholischen Getränks den Abend verplaudert und vertanzt.
Wenn man sich gut umschaut, findet man auf jeden Fall eine Gaststätte die zur eigenen Persönlichkeit passt. Es ist der eigenen Verantwortlichkeit überlassen, in einer Vielfalt die reicht von der Ruhe und Freundlichkeit des Hoopman bis zur -guckt doch alle mal her-Ambiente des Palladium, gerade die Kneipe zu finden, die einen Aufenthalt in Amsterdam zum unvergesslichen Erlebnis macht.
Auch wenn das Rotlichtviertel für andere, mehr augenfällige Qualitäten als seine Kneipen bekannt ist, gibt es auch hier Bars, die es verdienen als Höhepunkt des Nachtlebens gerühmt zu werden. Brummende Kneipen mit Live-Musik, wie The Last Waterhole und Durty Nellys sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Man kann damit rechnen, hier viele andere Touristen zu treffen die sich einen Abend in Amsterdam vergnügen wollen.
Genauso wie bei der Suche nach einem guten Restaurant, gilt es bei der Kneipensuche, bereit zu sein den eigenen Horizont zu erweitern. Wenn man die Jordaan und die Pijp durchstreift, begegnet man einer erschreckend großen Auswahl an Kneipen und Cafes die eine nähere Inspektion lohnend erscheinen lassen. Man könnte mal bei De Pieper vorbeischauen, um sich von der traditionsreichsten und am meisten inspirierenden Gattung der niederländischen Kneipen, das bruine cafe, einen Eindruck zu verschaffen. Um noch mehr authentisches Ambiente zu erleben, sollte man einen Besuch an Cafe Nol und De Twee Zwaantjes nicht unterlassen. Diese Volkskneipen vereinen alle Qualitäten wofür die Jordaan bekannt geworden ist: laut und locker und voller Musik und netter Leute. Man sollte darauf vorbereitet sein, dass niederländische Musik mit einem unerhört hohen Schallpegel aus den Lautsprechern tönt und das allseits gefürchtete Mitsingen ist hier auch keine Seltenheit.
Glücklicherweise ist Amsterdam mit einer großen Auswahl an irischen Pubs gesegnet. Ob es nun das hohe Qualitätsniveau des Tara ist oder die mehr musikalische Orientierung des Mulligans, sie gehören alle zu den beliebtesten Kneipen, sowohl unter der amsterdamer Bevölkerung selbst, als auch unter Touristen. Einen Tag lang von Pub zu Pub zu tingeln ist denn auch ein empfehlenswerter und lohnender Zeitvertreib. Als Tagesanfang sollte man nicht verzichten auf das beste britische Frühstück Amsterdams bei Molly Malones. Einen nützlichen Ratgeber und Führer auf diesem Gebiet ist die Daily Craig, ein kostenloses Monatsheft mit einem praktischen Lageplan der irischen Pubs in Amsterdam. Das Blatt ist in den meisten dieser Pubs erhältlich.
Wer den Anspruch hat als Liebhaber oder gar Kenner von Bier in all seinen Erscheinungsformen ernst genommen zu werden, sollte notfalls zu allem bereit sein um In de Wildeman und Gollem mit einem Besuch zu beehren. Hier wird man mit einer Sammlung Biersorten konfrontiert, die auch die abgebrühtesten Kreaturen am Rande eines Nervenzusammenbruchs führen könnte. Wenn man sich den Freuden, aber auch Risiken seines bierseligen Hobbys lieber in den eigenen, sei es luxuriösen oder auch kargen, Gemächern widmen möchte, ist eine vorherige tief gehende Inspektion des einzigen Bierladens in Amsterdam der diese Bezeichnung auch wirklich verdient, unumgänglich. Dieses hervorragende Geschäft, mit dem passenden Namen De Bierkoning, verfügt über eine ausgelesene Selektion von mindestens 850 Biersorten, die es alle wert sind gekostet zu werden.
Für einen möglichst interessanten und angenehmen Aufenthalt in Amsterdam möchte ich zum Schluss noch die Empfehlung aussprechen, ab und zu die gängigen touristischen Hauptstrecken zu verlassen. Man sollte sich nicht freiwillig auf den Leidseplein und Rembrandtplein samt unmittelbarer Umgebung beschränken. Amsterdam hat für Abenteuerlustige mehr zu bieten. Wer nur im Zentrum hängen bleibt, verpasst z.B. das Westpacific oder das Amsterdam.
